Weisser Jaguar
Das restaurierte Armaturenbrett aus Edelholz
Winter 2020/21

Die Restaurierung

Wie fast alle Oldtimerbesitzer nutze ich den Winter, um das Auto für die kommende Saison fit zu machen. Mechanik und Elektrik haben mein „Schrauberfreund“ und ich schon direkt nach dem Kauf im November und Dezember 2020 gründlich geprüft und verbessert – technisch steht der Wagen absolut top da.

Der Jaguar unter einer roten Staubschutzdecke in der Garage
Wohlbehütet unter seiner Staubschutzdecke wartet der Jaguar auf das Frühjahr …

Aber so ganz zufrieden ist man ja nie … Die Polster der Sitzflächen und das üppig verarbeitete Holz waren eindeutig „in die Jahre gekommen“, wie man auf diesen Fotos sieht, wenn man ganz genau hinschaut:

Armaturenbrett vor der Restaurierung Ledersitze vor der Restaurierung
Vorher: Das Armaturenbrett ist komplett aus edlen Hölzern gefertigt, die Sitze sind mit feinstem Connolly-Leder bezogen.

Ein Auftrag für den Sattler

Ich entschied mich, die Sitzflächen neu aufpolstern zu lassen – und dabei unbedingt das originale Leder zu erhalten. Die englische Traditionsfirma Connolly, die einst Rolls-Royce, Aston Martin und natürlich Jaguar mit Leder von unnachahmlicher Qualität ausstattete, ging 2002 in Konkurs. Solches Leder gibt es schlicht nicht mehr.

Außerdem finde ich: Einem fast 60 Jahre alten Auto darf – nein, sollte – man ansehen, dass es ein Oldtimer ist. Die Patina des originalen Leders wäre mit einem Neubezug für immer verloren gewesen.

Den Sattler meines Vertrauens konnte ich schließlich überreden, es so zu machen: das Leder vorsichtig abziehen, das abgenutzte Latexpolster entfernen, auf dem noch hervorragend erhaltenen Federkern eine neue Polsterung anpassen und dann das originale Leder wieder aufziehen. Man spart zwar ein paar Quadratmeter Leder, aber die filigrane Arbeit kostet so viele Stunden, dass das Ganze am Ende sogar teurer wird als ein Neubezug. Das ist es mir wert!

Ein Auftrag für den Tischler

… und wenn man schon dabei ist, den Innenraum zu verschönern, bietet es sich an, auch dem Holz eine Verjüngungskur zu gönnen – der Klarlack war an einigen Stellen nicht mehr so makellos, wie man es von solch einem Auto erwarten darf.

Die Angebote spezialisierter Fachbetriebe lagen allesamt in astronomischen Höhen. Natürlich fließt viel Geld in so ein Hobby, aber es muss im Rahmen bleiben! Also fragte ich unseren Tischler hier in Verl, der auch sonst alle Tischlerarbeiten für uns erledigt – und war sehr erleichtert, als er sofort zusagte.

Zwei frisch lackierte Holzleisten
Die ersten Ergebnisse: absolut perfekt. Die modernen Kreuzschlitzschrauben dienen nur zum Fixieren beim Lackieren – eingebaut werden die Leisten selbstverständlich wieder mit den originalen Schlitzschrauben. Alles andere wäre bei einem britischen Auto der Sechziger ein Stilbruch.

Jedes einzelne Holzteil musste von Hand geschliffen werden – eine Maschine arbeitet nicht fein genug und hätte das Holz beschädigt. Danach wurden die Teile neu gebeizt und mit mindestens sieben Schichten Klarlack überzogen, nach jeder Schicht wieder mit feinster Körnung geschliffen.

Die Sache mit dem Armaturenbrett

… und wenn man schon die Fenster- und Türhölzer macht – Sie ahnen es schon –, dann könnte man das Armaturenbrett ja gleich mitmachen.

Das ist allerdings eine sehr komplexe Angelegenheit. Ich hätte mich nie herangetraut, aber mein „Schrauberfreund“ ist ein genialer Bastler: Er hat das gesamte Armaturenbrett mit all seinen Einzelteilen in rekordverdächtigen sechs Stunden ausgebaut. Chapeau!

Innenraum mit ausgebautem Armaturenbrett Sortierte Teile des Armaturenbretts auf einem Tisch
Jedes Kabel beschriftet, jeder Schritt fotografiert – die ausgebauten Komponenten warten fein säuberlich sortiert auf den Wiedereinbau.

Kurz vor Weihnachten kamen auch die Holzteile des Armaturenbretts zum Tischler, und der nutzte die stille Zeit „zwischen den Jahren“, um alles fertigzustellen. Das Ergebnis hat mich begeistert:

Restaurierte Oberseite des Armaturenbretts Restaurierte Holzteile mit Instrumentenausschnitten
Die Oberseite strahlt wie am ersten Tag im Jahr 1966, die feine Maserung kommt wieder wunderschön heraus.
Wieder eingebautes Armaturenbrett
Wieder zusammengebaut – so, wie es sich für einen klassischen Jaguar gehört. Und das Wichtigste: Es funktioniert auch alles!

Die kleine Zeituhr im Drehzahlmesser war beim Kauf defekt. Ich habe sie zu CIS in Bergisch Gladbach geschickt, einem Spezialbetrieb für Instrumente klassischer britischer Autos. Sie kam noch in der Weihnachtszeit repariert zurück und läuft wieder perfekt.

Beim Ausbau der Mittelkonsole zeigte sich außerdem, dass die Gummimanschette um den Ganghebel völlig verschlissen war. Limora hatte sie vorrätig – sie war am nächsten Tag da und sitzt perfekt. Praktisch: Dieses Teil ist baugleich mit dem des Mk II, für den es fast alles gibt. S-Type-spezifische Teile muss man dagegen oft lange suchen oder einzeln anfertigen lassen.

So auch den Chromring, der den Ledersack am Ganghebel hält: Er fehlte an meinem Wagen und ist nirgends mehr lieferbar. Dafür braucht man einen Könner mit Drehbank, der enthusiastisch genug für eine Einzelanfertigung ist – und den haben wir gefunden!

Die Sache mit den Kopfstützen

Alles fing mit meiner Frau an, die partout der Meinung ist, dass man sich in ein Auto ohne Sicherheitsgurte und Kopfstützen gar nicht erst hineinsetzen sollte. Als Oldtimerliebhaber sehe ich das natürlich anders: Ich bin jahrelang jeden Tag 70 Kilometer mit meiner Ente zur Arbeit gependelt, einem wunderschön restaurierten Citroën 2CV AZAM von 1964 – ohne Gurte, ohne Kopfstützen, dafür mit einer durchgehenden Sitzbank, die eher an Gartenmöbel der Fünfziger erinnerte.

Citroën 2CV AZAM von 1964 Sitzbank der Ente
Die Ente: 14½ PS, theoretisch 100 km/h – und eine Sitzbank wie ein Gartenmöbel.

Und doch macht es einen Unterschied, ob man mit 14½ PS unterwegs ist oder mit 220 PS und echten 200 km/h. Zumal wir in „hochzeitsfreien“ Zeiten auch längere Strecken fahren wollen – mir schwebt zum Beispiel vor, meinem Auto einmal seinen Geburtsort Coventry zu zeigen, mit seinem Verkehrsmuseum und dem British Motor Museum in Gaydon ganz in der Nähe. Ich konnte die Argumentation meiner besseren Hälfte also durchaus verstehen.

Kopfstützen hatte der S-Type ab Werk nie. Sicherheitsgurte dagegen schon: Mein Exemplar bekam sie bei der Auslieferung nach Schweden als Sonderausstattung, und diese roten Originalgurte mit ihrer groben Textilstruktur sind bis heute montiert. Weil sie sich nicht selbst aufrollen, wollte ich sie fast gegen moderne tauschen – doch ein Freund war so angetan von ihnen, dass er meinte, es sei eine Schande, sie zu ersetzen. Recht hat er.

Aber gerade mit angelegtem Gurt sind Kopfstützen bei einem Unfall eigentlich unverzichtbar. Da hat meine Frau recht! Die rettende Idee kam wieder vom „Schrauberfreund“: Er fand im Internet eine gebrauchte Sitzgarnitur aus einem Jaguar XJ, dem Nachfolgemodell, mit Kopfstützen. Eigentlich hätten wir die komplette Garnitur in Kiel abholen müssen – doch der Verkäufer flexte uns freundlicherweise nur die Rahmenstücke mit den Kopfstützenaufnahmen heraus und schickte sie per Post. Sehr entgegenkommend!

Heute hat der Jaguar vorn Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte – siehe Ausstattung.

Übrigens: die Handwerker

Falls andere Liebhaber alten Blechs diese wirklich exzellenten Handwerker für ihren eigenen Oldtimer suchen:

Sattlerei GM Kapten

Wagenfeldstraße 16
33332 Gütersloh
05241 9050040

Früher „Autostop Leder Design“ an der Chromstraße in Verl – neuer Name nach dem Umzug, aber derselbe Chef und dieselben Fachleute.

Tischlerei Rolf Hollenhorst

Am Ölbach 137
33415 Verl
05246 2686

Patina oder besser als neu?

Unter Oldtimerfreunden gibt es seit Jahren eine Grundsatzdiskussion darüber, wie man mit einem klassischen Fahrzeug umgehen sollte. Die einen wollen möglichst gar nichts austauschen und den Zustand mit allen Gebrauchsspuren konservieren. Die anderen streben eine perfekte Restaurierung an, an deren Ende das Auto im Neuzustand ist – oder sogar besser, als es damals vom Band lief.

Beide Positionen kann man verstehen. Die „Patina-Fraktion“ sieht im Oldtimer ein Stück Zeitgeschichte. Ein Freund von mir, Physiker, der über die Geschichte und Ethik der Mechanisierung promoviert hat, sagte mir einmal:

„Wenn ich einen Trecker vor mir habe, dann will ich sehen, wo der Bauer Meier beim Aufsteigen seine Stiefel abgekratzt hat, welche Hebel er mehr als andere benutzt hat und wo er beim Reparieren mal mit dem Schraubenschlüssel abgerutscht ist.“

Und die „Besser-als-neu-Fraktion“? Ein Bekannter hat einen Porsche 911 bis auf die letzte Schraube zerlegt und komplett „aufgearbeitet“: Schaltgetriebe statt Automatik, ein stärkerer Motor, elektrische Sitze aus einem jüngeren Modell – und statt Weiß ein komplett neues Farbkleid in Rot. Am Ende sah das Auto einfach toll aus … aber war es eigentlich noch derselbe Porsche?

Zwischen den beiden Lagern, die sich oft nahezu unversöhnlich gegenüberstehen, gibt es natürlich auch die „Gemäßigten“ – zu denen ich mich zähle.

— Fortsetzung folgt —